Hallenspielplätze
Schlechtes Wetter. Nieselregen schon seit Tagen. Bei den Bastelarbeiten kann sich keiner mehr richtig konzentrieren. Der Spielplatz im Garten der Kindertagesstätte hat sich in ödes Matschland verwandelt. Pfützen unter den Schaukelbrettern. Setzt man sich trotzdem drauf, wird das Hinterteil nass. Auch auf das Klettergerüst hat es geregnet. Klettern verboten. Abrutschgefahr. Und trotzdem: Die Kinder langweilen sich und treten sich drinnen gegenseitig auf die Füsse; die sonst üblichen Rangeleien arten leicht in Prügelorgien aus.

Kinder wollen toben, finden aber für ihren Bewegungsdrang kein Ventil. Ihnen ist diese Situation nicht unbekannt? Damals, in den Siebzigern, hätte uns die Erzieherin, die damals noch Kindergartentante hieß, sicher doch irgendwann nach draußen gescheucht. Verwöhnung und Verweichlichung? Niemals! Raus an die frische Luft hieß damals die Devise.

Es kam, wie es kommen musste: Mit aufgeschlagenen Knien und grünen Grasflecken auf den ruinierten weißen Kinderstrumpfhosen, mit Schuhen, in denen das Wasser quatschte, kehrten wir heim zu Muttern. Es gab ja Waschmittel mit der Reinweichkraft. Unsere Mütter waren meistens zu Hause - und wenn nicht, so gab es eine Oma, die bereitwillig das Waschen erdverschmierter Kleidungsstücke und das Stopfen durchlöcherter Strumpfhosen übernahm. Und heute? Die meisten Mütter sind berufstätig. Sie etwa auch? Selten leben in der arg geschrumpften Kleinfamilie noch drei Generationen unter einem Dach. Weder Mama noch Papa reißen sich nach einem stressigen Arbeitstag darum, Strumpfhosen zu stopfen oder die Waschmaschine zu füllen. Sie etwa? Viele Eltern erwarten, die ihr Kind angezogen und sauber in einer Betreuungseinrichtung abgeben, erwarten einfach, daß es ebenso zurückkommt. Sie wünschen sich ein pflegeleichtes, möglichst aggressionsfreies Kind, das mit ihnen, wenn sie abends nach etlichen Überstunden von der Arbeit heimkehren, noch ein bisschen "Quality time" verbringt, wie der mickrige Tagesrest, den Eltern heutzutage noch für ihre Kinder übrig haben, beschönigend genannt wird. Sie wünschen sich für ihre Sprösslinge eine Betreuungskultur außer Haus und darin inbegriffen eine Infrastruktur, die sich multifunktional zeigt und auf unterschiedlichste Bedürfnisse der Kinder antwortet.

Einrichter und Betreiber sogenannter Hallenspielplätze machen sich diese Erwartungshaltung zunutze. Der Indoor Spielplatz wird als eine Art postmodernes Kinderparadies angepriesen - nicht etwa nur als überdachte, wettergeschützte Spielanlage für Kinder. Indoor Spielpark, Tobezentrum, Abenteuerland, Funcenter...ja: Der Hallenspielplatz scheint vor allem anderen "Fun" zu versprechen: Jux und Tollerei vom Feinsten. Die Betreiber jener Anlagen sprechen ungeniert von Klettermodulsystemen, themenbezogenen Spielobjekten und Soft-Play-Landschaften. Natürlich dürfen auch die guten alten Trampoline und aufblasbaren Hüpfburgen - unverzichtbare Requisiten kindgerechter Eventkultur - nicht fehlen. Fahrgeräte wie beim Volksfest (es wurden bereits münzbetriebene Elektro-Karts gesichtet) und Klettertürme zum Erproben von Mut und Geschicklichkeit sind selbstverständliche Bestandteile des neuartigen Indoor-Mobiliars. Allzu bildungsbeflissene Eltern, die noch zögern, ihre Kids den Betreibern eines Hallenspielplatzes anzuvertrauen, weil sie in einer bloßen Tobekultur eher ablehnend gegenüberstehen, sei aber gesagt, dass dort nicht nur körperbetonte Aktivitäten möglich sind. Auch Spiel- und Lerncomputer laden zum Verweilen ein und finden begeisterte Nutzer.

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